Ein Rückblick - auf den Spuren Lorcher Geschichte

Stadtspaziergang Lorch

Woher kommt der Name Lorch?

Heute möchten wir einen Rückblick auf die Lorcher Geschichte werfen. Woher kommt der Name Lorch? Wie entwickelte sich die Stadt? Welche Besonderheiten sind zu verzeichnen?
Vermutlich verdankt Lorch seinen Namen den Römern, die hier von der Mitte des 2. Jahrhunderts bis um 260 n. Chr. ein Auxiliarkastell unterhielten. Nach einer Lücke
von 800 Jahren tritt der Ort wieder ins Licht der Überlieferung. Der staufische Pfalzgraf Friedrich II. von Schwaben gründete um 1060 an der Pfarrkirche ein Kollegiat- oder Chorherrenstift. Sein Enkel Herzog Friedrich I. und seine Frau Agnes von Waiblingen, Tochter des Salierkaisers Heinrich IV., stifteten wohl um 1090/1100 das erstmals 1102 erwähnte Benediktinerkloster Lorch als Hauskloster. Im zeitgenössischen Denken verbesserte der Stifter mit einer Klostergründung die Chancen für sein Seelenheil.
 
Das Eigenkloster besaß dieselbe symbolische Funktion für die Staufer wie das Kollegiat- oder Chorherrenstift: beide Institutionen waren zeitlich versetzt das religiöse und damit kulturelle und geistige Zentrum der Staufer. Dem üblichen Zeittrend folgend übergab die Stifterfamilie 1102 das Kloster dem päpstlichen Stuhl in Rom, wobei sie sich die Vogtei über das Kloster und damit die Macht und die Einflussnahme auf dessen Geschicke vorbehielt. König Konrad III., der Sohn des Stifterpaares, veranlasste 1139 die Umbettung seiner in der Lorcher Stiftskirche bestatteten Ahnen in die romanische Klosterkirche, die neue staufische Grablege. Die bedeutenden staufischen Könige und Kaiser sind allerdings an anderen Orten bestattet, doch Königin Irene fand hier ihre letzte Ruhestätte. Die von Walther von der Vogelweide als „rose ane dorn“ charakterisierte byzantinische Kaisertochter und Gemahlin König Philipps von Schwaben, der 1208 in Bamberg ermordet wurde, war kurz darauf im Kindsbett auf dem Hohenstaufen verstorben. Ihr zu Ehren kündet die im Juli 2008 vor dem Kloster aufgestellte Stauferstele vom Stauferort Lorch, in dessen Kloster seit 2002 das vom Künstler Hans Kloss geschaffene Rundbild die Geschichte des Staufergeschlechts erzählt.
 
Nach dem Erlöschen der Staufer hatten die Grafen von Württemberg schon 1251 die Klostervogtei inne, zunächst wohl mit Unterbrechungen, aber seit 1371 dauerhaft. Im ausgehenden 15. Jahrhundert waren die Äbte Mitglieder des Stuttgarter Landtages. Im Marktflecken Lorch, der zum Kloster gehörte, erhob Württemberg seit spätestens 1477 Warenzoll; 1481 ist hier ein Zollhaus belegt. Durch die Reformation fiel das im Bauernkrieg 1525 zerstörte und danach teilweise wieder aufgebaute Kloster mit dem Ort endgültig an das Herzogtum, welches das klösterliche Gut als Klosteroberamt Lorch verwaltete. In das Kloster zogen außer dem Verwaltungspersonal von 1563 bis 1727 ein evangelischer Prälat mit der Würde eines Abtes und von 1556 bis 1584 eine Klosterschule ein.
Der Flecken, nunmehr Teil des neugeschaffenen Klosteroberamts Lorch, wurde zum herzoglichen Grenzort gegen die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd.
Ein Gutteil der Lorcher Bevölkerung lebte von der Fernhandelsstraße Nürnberg-Cannstatt, die durch den Ort führte. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Flecken nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 von den siegreichen katholischen Truppen fast vollständig zerstört. Noch 1724 lagen 70 alte Bauplätze brach und öde.
Nach der Auflösung des Klosteroberamts 1807 kamen Kloster und Ort an das Oberamt Welzheim, dessen Verwaltungssitz der Flecken von 1811 bis 1819 war. Nach dessen Rückverlegung nach Welzheim verblieb die Finanzbehörde im Kloster, bis sie 1932 aufgelöst wurde. Seit 1946/47 wird in Teilen des Klosters ein Altenheim betrieben. Zu diesem trat 2007 das „Diakonische Institut für soziale Berufe Kloster Lorch“ als Altenpflegeschule.
1865 erhob König Karl von Württemberg Lorch zur Stadt. 1972, also vor 50 Jahren, schlossen sich die Stadt Lorch und die Gemeinde Waldhausen zu einer Einheitsgemeinde mit dem Namen Stadt Lorch zusammen.
(© Simon M. Haag M.A.)