Berichtserie: Städtepartnerschaft Teil 1 von 5

Die Lorcher Partnerstadt Oria

Am 28. Mai 2022 jährt es sich zum 50. Mal, dass die Bürgermeister Walter Kübler und Pasquale Sartorio die Urkunde über eine Partnerschaft zwischen den Städten Lorch und Oria unterzeichneten. Dieses Jubiläum wird dieses Jahr am Wochenende vom 24. bis 27. Juni in Lorch und am 17. August in Oria begangen. Aus diesem Anlass folgen in den kommenden Wochen noch vier weitere Aufsätze zur Städtepartnerschaft zwischen unserer Stadt und dem 1500 km südlich entfernt liegenden apulischen Ort. Die Partnerschaft beruht auf den gemeinsamen staufischen Wurzeln beider Städte. 

Oria befindet sich ziemlich genau in der Mitte zwischen Brindisi und Taranto - oder anders ausgedrückt - im Salento, dem Absatz des italienischen Stiefels zwischen der Adria und der Ionischen See. Sein mediterranes Klima sorgt für heiße Sommer, deren Temperaturspitzen an manchen Tagen im Juli und im August durchaus an die 40-Grad-Marke heranreichen, und relativ milde Winter mit weniger als 5 Grad im Januar und Februar. Es liegt unweit der "Via Appia", jener aus dem beginnenden 4. Jahrhundert stammenden römischen Heer- und Handelsstraße von Rom nach Brindisi. Modern ausgeschildert machen die "Straße der Oliven" und die "Straße des Weins" auf die regionalen Köstlichkeiten aufmerksam.

Oria ist auf drei Hügeln errichtet, deren höchster vom "Castello Svevio", dem schwäbischen Schloss des Stauferkaisers Friedrich II. (1194-1250), gekrönt ist. Von seinen Türmen aus hat man einen Blick über die Ebene bis zum Meer im Osten und im Westen. Die Stadt mit ihrem mittelalterlichen, durch enge Gassen, Treppen und pittoreske Plätze geprägten Zentrum hat knapp 15.000 Einwohner, ist also ein wenig größer als Lorch. Die Bevölkerung ist hauptsächlich römisch-katholisch. Als Sitz des gleichnamigen Bistums mit 11 Gemeinden und etwa 165.000 Seelen besitzt Oria eine Kathedrale, die seit 1992 den Rang einer kleinen päpstlichen Basilika bekleidet. Außerdem gibt es drei Pfarrkirchen und mehrere kleinere über das Stadtgebiet verstreute Kirchen. Im Ort gibt es auch eine kleine Gemeinde der Zeugen Jehovas. 
Der oritanische Stadttitel ist ähnlich dem Lorcher noch recht jung, erst am 1. Oktober 1951 wurde Oria offiziell zur Stadt. Partnerschaften bestehen außer mit Lorch zu den Städten Miekinia in Polen und Sarteano in der Toskana. Oria besteht aus vier uralten Stadtvierteln, deren Bewohner mit den einzelnen Rioni Castello, Judea, San Basilio und Lama tief verwurzelt sind, auch wenn ein Stadtbesucher ein Überschreiten der Viertelsgrenzen nicht bemerkt. 

Das Rathaus wurde Mitte der 1980er Jahre aus dem innerstädtisch gelegenen Palazzo Martini in einen funktionellen Neubau im nördlichen Teil der Stadt verlegt. Hier befindet sich auch die bedeutende, umfangreiche städtische Bibliothek mit antiker Sammlung. Ihre ältesten Stücke sind ein Manuskript aus dem 15. Jahrhundert und drei in den Jahren 1499 und 1500 gedruckte Inkunabeln. In der Nähe des Doms befindet sich außerdem noch die Diözesanbibliothek. An Bildungseinrichtungen stehen insgesamt sechs Kindergärten und acht Schulen zur Verfügung. Die Schulen umfassen in etwa unser Schulsystem von Grundschule bis Gymnasium inklusive der Gesamtschule. An deren Spitze stehen ein naturwissenschaftliches Gymnasium und eine technische Handelsschule für Tourismus. 

Dem reichen archäologischen Erbe, das etwa bis ins Jahr 1000 v. Chr. reicht, wird mit vier Parkanlagen, darunter dem "Parco Comunale Oria-Lorch", und zwei Museen Rechnung getragen. Der an die Kathedrale sich anlehnende zylindrische "Torre Palomba" dürfte aus der Anfangszeit der oritanischen Befestigungen stammen. Außerdem gibt es noch fünf weitere Museen am Ort wie bspw. das Diözesanmuseum mit sakraler Kunst oder das Ethnographische Museum für das Salento mit mehr als 5000 Objekten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. 

Das "Castello Svevio" 
Die Kathedrale von Oria
Blick vom Castello über einen Teil der Stadt Oria